Eine makellose Wohnung? Langweilig!

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Von der Decke hängt immer noch eine Glühbirne – obwohl der Umzug schon fünf Jahre her ist? Warum es sogar wünschenswert ist, nicht perfekt eingerichtet zu sein, beschreibt Katharina Dippold im ICONIST.

In der heutigen Zeit steigt der Druck, perfekt zu sein immer mehr, so auch zuhause meint Katharina Dippold. Egal ob man nun einen eklektischen Mid-Century-Stil bevorzugt, sich vom skandinavischen Hygge-Stil einmummeln lässt oder nach wie vor dem Landhausstil frönt – es soll perfekt sein. Doch lohnt sich das? Sie meint nein:

  1. Geschmack verändert sich: Wollte man vor zwei Jahren eventuell noch sein ganzes Geld in einen schwedischen Bauernschrank aus dem 18. Jahrhundert verschleudern oder plante für die Küchenwände ein fahles Aschgrau, schielt man heute eventuell auf das kunterbunte Bücherregal von Ettore Sottsass.
  2. Das Leben verändert sich: Wenn man Kinder bekommt dann denkt man kaum mehr über einen kostbare Venini-Vase nach, sondern über waschbare Teppiche. Oder man verliebt sich neu und der neue Partner hat eine Schwäche für den Neo-Brutalismus und man muss das 60er-Jahre Teak-Sideboard haben.
  3. Reise ohne Erinnerungen: Ist es nicht schön, wenn das Bild im Flur an den ersten gemeinsamen Liebesausflug nach Paris erinnert oder das Sofakissen an den Markt in Marrakesch?

Makellose Wohnungen sind wie makellose Menschen: Sie wirken langweilig.